Was dahintersteckt
Süßgräser – Wiesenrispe, Knäuelgras, Lieschgras, Roggen – bestäuben sich über den Wind. Sie müssen deshalb enorme Mengen sehr leichten Pollen produzieren, der kilometerweit fliegt. In Norddeutschland ist die Hauptzeit Mai bis Juli, einzelne Gräser blühen von April bis September.
Weil die Pollen fast aller Süßgräser sich sehr ähneln, reagiert ein Kind, das auf ein Gras allergisch ist, meist auf alle. Das erleichtert die Behandlung: Ein Extrakt deckt die ganze Gruppe ab.
Woran Sie es merken
- Niesanfälle, laufende oder verstopfte Nase, juckende und tränende Augen von Mai bis Juli
- Draußen schlimmer als drinnen, bei Wind und Sonne am schlimmsten, nach Regen deutlich besser
- Nach dem Fußballtraining oder dem Rasenmähen besonders stark
- Müdigkeit und Konzentrationsprobleme – ausgerechnet in der Zeit der Klassenarbeiten
- Manchmal auch Husten oder Engegefühl in der Brust; dann sind die Bronchien beteiligt
Ein Hinweis zum Namen: „Heuschnupfen" heißt es, weil die Beschwerden zur Heuernte auftraten. Mit Heu selbst haben sie nichts zu tun.
Wie wir es abklären
- Gespräch und KalenderWann genau beginnen die Beschwerden, wann hören sie auf? Der Vergleich mit dem Pollenflug ist oft schon die halbe Diagnose.
- PricktestKleine Tropfen auf dem Unterarm, ein winziger Piks je Tropfen. Nach fünfzehn Minuten ablesbar.
- BlutuntersuchungSpezifisches IgE. Die molekulare Diagnostik zeigt, ob die Allergie auf die Hauptallergene der Gräser gerichtet ist – das ist die Voraussetzung dafür, dass eine Hyposensibilisierung wirkt.
- LungenfunktionWenn Husten oder Luftnot dazukommen, prüfen wir, ob sich ein Asthma entwickelt.
- Plan für die SaisonWas in der Pollenzeit genommen wird, ab wann, und ob eine Hyposensibilisierung sinnvoll ist.
Was hilft
In der Saison
- Abends Haare waschen, Straßenkleidung nicht ins Schlafzimmer
- Auf dem Land morgens lüften, in der Stadt abends – dann ist die Belastung jeweils geringer
- Pollenschutzgitter am Schlafzimmerfenster
- Sport lieber nach einem Regenschauer als bei Wind und Sonne
- Wäsche nicht draußen trocknen
Medikamente
Antihistaminika als Saft oder Tablette, Augentropfen, bei anhaltender Nasenverstopfung ein Kortison-Nasenspray. Wichtig ist, früh genug anzufangen – nicht erst, wenn die Nase schon zwei Wochen dicht ist.
Hyposensibilisierung
Bei Gräsern ist sie gut belegt und für Kinder ab etwa fünf Jahren möglich. Begonnen wird üblicherweise nach der Saison, im Herbst, damit der Aufbau vor dem nächsten Frühjahr abgeschlossen ist. Sie läuft über drei Jahre – als Tablette unter der Zunge, täglich zu Hause, oder als Spritze bei uns in der Praxis.
Der Nutzen geht über die Nase hinaus: Eine rechtzeitig behandelte Pollenallergie senkt die Wahrscheinlichkeit, später ein Asthma zu entwickeln.