Was dahintersteckt
Hausstaubmilben sind mikroskopisch kleine Spinnentiere, die es in jeder Wohnung gibt – auch in sehr sauberen. Sie ernähren sich von Hautschuppen und brauchen Wärme und Feuchtigkeit; deshalb leben sie vor allem in Matratze, Bettzeug und Kuscheltieren. Die Allergie richtet sich nicht gegen die Milbe selbst, sondern gegen Eiweiße in ihrem Kot, der als feiner Staub eingeatmet wird.
Weil das Kind acht bis zehn Stunden mit dem Gesicht direkt in dieser Quelle liegt, sind die Beschwerden am Morgen am stärksten. Im Lauf des Vormittags wird es besser – was viele Eltern zunächst nicht mit einer Allergie in Verbindung bringen.
Woran Sie es merken
- Verstopfte Nase beim Aufwachen, Niesanfälle am Morgen
- Das Kind atmet nachts durch den Mund, schnarcht, schläft unruhig
- Trockener Husten im Liegen, oft in der ersten Nachthälfte
- Beschwerden das ganze Jahr, im Winter eher stärker – geheizte, geschlossene Räume
- Schlimmer beim Bettenmachen, Staubsaugen oder nach dem Toben auf dem Teppich
- Im Urlaub am Meer oder im Hochgebirge deutlich besser
Bei Kindern gilt die Milbenallergie als wichtigster Wegbereiter für allergisches Asthma. Das ist der Grund, warum wir sie ernst nehmen, auch wenn „nur" die Nase betroffen scheint.
Wie wir es abklären
- GesprächWann sind die Beschwerden am stärksten? Wie schläft Ihr Kind? Wie ist das Schlafzimmer eingerichtet – Hochbett, Teppich, viele Kuscheltiere?
- PricktestKleine Tropfen auf dem Unterarm, ein winziger Piks je Tropfen. Nach fünfzehn Minuten ist das Ergebnis ablesbar.
- BlutuntersuchungSpezifisches IgE. Die molekulare Diagnostik zeigt zusätzlich, gegen welche Eiweiße der Milbe sich die Allergie richtet – davon hängt ab, ob eine Hyposensibilisierung aussichtsreich ist.
- LungenfunktionWeil wir wissen wollen, ob die Bronchien schon mitreagieren – auch dann, wenn Ihr Kind nicht über Luftnot klagt.
- EinordnungEin positiver Test allein ist noch keine Allergie. Erst wenn Testergebnis und Beschwerden zusammenpassen, behandeln wir.
Was hilft
Encasing – der eine Punkt mit belegtem Nutzen
Milbendichte Überzüge für Matratze, Kissen und Decke. Sie trennen das Kind von der größten Allergenquelle und sind der wirksamste Einzelschritt im Haushalt. Die Kosten übernehmen viele Krankenkassen bei nachgewiesener Allergie – wir stellen die Bescheinigung aus.
Was zusätzlich sinnvoll ist
- Bettwäsche alle ein bis zwei Wochen bei 60 Grad waschen
- Das Lieblingskuscheltier regelmäßig waschen oder für 24 Stunden ins Gefrierfach
- Kühl schlafen, gut lüften, Luftfeuchtigkeit unter 50 Prozent halten
- Kein Hochbett – in Bodennähe ist die Belastung geringer als oben ist ein Irrtum; entscheidend ist die Matratze darunter
Wovon wir abraten
Von der kompletten Wohnungssanierung. Teppich herausreißen, alle Vorhänge entfernen, Luftreiniger anschaffen – das kostet viel und ändert nachweislich wenig, solange das Bett nicht behandelt ist. Wir sagen Ihnen lieber, was Sie sich sparen können.
Medikamente
Antihistaminika für akute Beschwerden, ein Nasenspray mit Kortison bei anhaltender Verstopfung. Beides behandelt die Symptome, nicht die Ursache.
Hyposensibilisierung
Bei der Hausstaubmilbe ist sie besonders gut untersucht und kann ganzjährig begonnen werden – anders als bei Pollen ist man nicht an eine Jahreszeit gebunden. Sie läuft über drei Jahre, als Tablette unter der Zunge oder als Spritze.